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Die Schweden zwingen uns Schweizer zu einem Strategie-Check

Am Tag nach dem Ausscheiden unserer Nationalmannschaft bei der Fussball-WM 2018 beginnt die Frage nach dem Warum. Waren wir noch nicht bereit für die grosse Bühne? Waren wir auf den Gegner falsch eingestellt oder war es einfach das Quäntchen Glück, das uns fehlte? Da man im Nachhinein ja klüger sein darf, möchte ich den heuten Tag zum Anlass nehmen, das Thema Strategie aus der Brille des Fussballs zu betrachten.

Die falschen Teams auf dem Weg ins WM-Finale?
Als Schweizer muss ich diese Frage natürlich mit einem Ja! beantworten. Selbstver­ständlich hätte ich mir unsere Mannschaft im Viertelfinale gewünscht – verdient oder unverdient, Hauptsache weiter. Auch die NZZ schien Ende letzter Woche der Meinung, dass eigentlich die falschen Mannschaften auf dem Weg ins Finale waren. „Diese Teams müssten eigentlich im Achtelfinale stehen“, titelte sie nach Abschluss der Vorrunde, als aus Sicht der Schweiz die Welt noch in Ordnung war, allerdings feststand, dass Deutschland und Argentinien nach Hause fahren würden und Russland Spanien aus dem Turnier geschossen hatte (Bauer 2018). Da könnte man jetzt natürlich über die Auswertung der Torchancen fachsimpeln, Schiedsrichter­entscheidungen verantwortlich machen oder es dem Glück in die Schuhe schieben. Was auch immer unser Team ins Achtelfinale brachte – es war einfach nur wichtig, dass wir drinnen waren!

Alles eine Frage des Glücks? Oder doch der Strategie?
Die Frage nach dem WARUM? stellt man sich immer erst dann, wenn etwas nicht funktioniert. Was haben die Schweden besser gemacht als wir? Die Südkoreaner effektiver als die Deutschen? Und die Russen intelligenter als die Spanier? Was war in jedem Fall die beste Strategie? Als besonders interessant bei dieser WM erscheinen mir die weitgehend nicht erfüllten Erwartungen grosser Mannschaften: Italien war gar nicht erst dabei, Argentinien verlässt mit seinem Superstar Messi enttäuscht das Turnier, und Deutschland konnte an die Erfolge vergangener Jahre in keinster Weise anknüpfen. Während diese Mannschaften in ihrem Spielerwert ihre Gegner häufig um ein Vielfaches übertrafen, konnten sie nicht siegen. Leider war dies auch in der Partie Schweiz gegen Schweden der Fall: der Wert der Schweizer National­mannschaft ist beinahe doppelt so hoch als jener der Schweden (vgl. FIFA Weltrangliste 2018). Im betriebswirtschaftlichen Sinn gesprochen, verfügten wir über die besseren Ressourcen, konnten diese aber nicht optimal ausnutzen. Wir verfolgten eine Ressourcenstrategie, was sich im Fussballkontext so beschreiben liesse: Wir verliessen uns primär auf unsere spielerische Qualität und glaubten, damit zu siegen. Die Stärken und Schwächen unseres Gegners wurden wohl sorgfältig studiert, sind aber in einer Ressourcenstrategie nicht der Ausgangspunkt der strategischen Überlegungen.

Volle Konzentration auf Schlüsselressourcen
Ähnliches erlebe ich in vielen Unternehmen: sie konzentrieren ihre Aktivitäten auf und Prozesse um wenige Schlüsselressourcen. Ein absolut plausibler und häufig auch intelligenter Zugang – insbesondere für KMU, die sich dadurch Marktnischen sichern können. Wird diese Ausrichtung allerdings zu einseitig, birgt sie Gefahren: allem voran lässt ein zu starker Fokus auf die eigenen Schlüsselqualifikationen den Kontext (Trends, technolo­gische Entwicklungen, Konkurrenten, etc.) zu sehr in den Hintergrund treten. Dann läuft man – ähnlich wie die genannten Mannschaften – Gefahr, Schwächen der Konkurrenten nicht entsprechend ausnützen zu können bzw. sich am Markt und den Entwicklungen vorbei zu entwickeln. Darüber hinaus kann eine starke Ausrichtung auf einige wenige Schlüssel­ressourcen das Teamgefüge und die Prozesse innerhalb eines Unter­nehmens beein­trächtigen. Auch das erleben wir immer wieder im Fussball: Superstars, die über das Sein und Nichtsein ihres Teams entscheiden. Fallen sie aus, wankt das komplette Team. Ihre Dominanz kann die Teamleistung vorantreiben, allerdings auch hemmen. In vielen Fällen braucht es Jahre und die voranschreitende Reife dieser Superstars damit das Team zu einem funktionierenden Gesamtgefüge wachsen kann.

Agile Strategie­entwicklung
Aus all diesen Gründen empfehle ich KMU, ihre Strategie regelmässig zu hinterfragen. Agile Strategie­entwicklungs­ansätze tun genau das: dort sind Ziele nichts Statisches, sondern sie werden permanent nach deren Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit hinterfragt. Nachfolgend finden Sie Fragen, die Ihnen helfen können, genau das zu tun:

  • Beobachten Sie Veränderungen in den Bedürfnissen oder dem Verhalten Ihrer Kunden?
  • Gibt es Nachfragetrends, die für Sie relevant werden könnten?
  • Gibt es technologische Trends, die einerseits das Verhalten Ihrer Kunden und andererseits die Vorgehensweise Ihrer Konkurrenten beeinflussen könnte? Was würde das für sie bedeuten?
  • Was tun Ihre Konkurrenten?
  • Besteht eine grosse Abhängigkeit von Ihren Schlüsselressourcen?
  • Sind Ihre Schlüsselressourcen optimal eingesetzt?

Strategiearbeit in einer Halbzeit?
Strategiearbeit kann spannend sein! Je nach Qualität des Spiels, so spannend wie ein Fussballspiel und vielen Fällen sogar mit einem besseren Ergebnis! Während Sie beim Fussball jedoch ein versäumtes Spiel nachlesen oder im besten Fall nachsehen können, rächt sich versäumte Strategiearbeit bitter. Lassen Sie es nicht so weit kommen – mit der richtigen Vorgehensweise erledigen Sie das nämlich in kürzester Zeit – nicht innerhalb der Dauer eines Fussballspiels, wohl aber innerhalb eines Tages.

Aber vorerst noch die momentan wichtigere Frage: Nachdem wir Schweizer es nun wohl nicht mehr werden können, wer wird Weltmeister?

Herzlichst,
Ihr Urs Frey

Quellen:

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